Kündigung Fittnesvertrag bei chronischer Krankheit

Sport ist Mord, zumindest kann sportliche Betätigung Probleme aufwerfen, wenn es sich dabei körperliche Ertüchtigung in einem Fitnessstudio oder Fitness Club handelt. Solange man fit ist und in regelmäßigen Abständen trainiert, kann das auspowern an den Geräten ein schöner Zeitvertreib sein und nicht nur Körper sondern auch den Geist fit. Unangenehm wird es erst, wenn Umstände vorliegen, die den Kunden veranlassen ihre Vertrag mit dem Fitnessstudio vorzeitig kündigen zu wollen.

Wir alle wissen, dass ein Fitnessvertrag oft günstiger wird, je länger die Vertragslaufzeit ist. Die Gerichte haben zahlreichen Urteilen Laufzeiten von 12-24 Monaten als rechtlich zulässig angesehen. Um die Kunden an einen solchen langwierigen Vertrag zu binden, wird die monatliche Grundgebühr zur Teilnahme Fitnessstudio geringer, je länger die Laufzeit ist.

Auch beim Vertrag mit dem Fitnessstudio gilt, Vertrag ist Vertrag muss eingehalten werden. Bevor sie ihren Vertrag mit dem Fitnessstudio unterzeichnen, sollten Sie die einzelnen Vertragsbedingungen genau durchlesen. Oft versteckten sich hier eine Klausel, wobei davon nicht jeder auch rechtlich zulässig sein muss. So sollte mittlerweile jedem bekannt sein, dass das mitbringen eigener Getränke durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Fitnessclubs nicht untersagt werden kann.

Da die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio aller Regel durch einen schriftlichen Vertrag abgeschlossen wird, gilt für diesen Vertrag auch, dass ein Sonderkündigungsrecht vorliegt, wenn ein wichtiger Grund für eine Kündigung gegeben ist. Ein klarer wichtiger Grund für eine außerordentliche sofortige Kündigung ist, wenn der Arzt Ihnen bestätigt, dass sie keinen Sport mehr im Fitnessstudio machen dürfen. Nach geltender Rechtsprechung muss das Fitnessstudio das Attest des Arztes anerkennen. Das ist die Grundregel, aber auch hier gibt es einige Ausnahmen. Attestiert der Arzt eine für einen bestimmten abgrenzbaren Zeitraum krankheitsbedingter Pause, so muss das Fitnessstudio ihre Kündigung nicht akzeptieren. Vielmehr wird das Studio sie für den angegebenen Zeitraum von den Vertragspflichten entbinden, und die Vertragslaufzeit nach hinten ausdehnen.

Ob der Grund angegeben werden muss, der ihnen die Beteiligung im Sportstudio unmöglich macht, ist rechtlich umstritten. Einerseits haben die Gerichte die Angabe der Krankheit vorgeschrieben, damit die Kündigung wirksam wird. Andere Gerichte hingegen sahen das vom Arzt ausgestellte Attest als ausreichend an.

Wer krank wird sich gezwungen sieht seinen Vertrag im Fitnessstudio zu kündigen, und dabei aktuell die bekannten Suchmaschinen mit Anfragen überhäuft wie er diese Kündigung durchsetzen kann, der wird dazu ein hohe Anzahl an Treffern finden. Letztlich entscheidet immer ein wenig der Einzelfall, ob eine Kündigung möglich ist oder nicht. Hinzu kommt das einige Studiobetreiber der Meinung sind, sich trotz einschlägiger Literatur und zahlreichen verbraucherfreundlichem Urteil nicht die Kündigung halten zu müssen. Diesen ist oft nur mithilfe eines Rechtsanwaltes beizukommen.

Ganz aktuell reiht sich ein weiteres Urteil in die Liste der krankheitsbedingte Kündigungsgründe im Fitnessstudio ein. Vor dem Amtsgericht München wurde nun ein Fall verhandelt, bei dem es sich nicht um eine plötzlich auftreten der Krankheit handelt, sondern um eine chronische Erkrankung, die dem Kunden schon vor Vertragsunterzeichnung bekannt war. Im Detail handelt es sich hierbei um eine chronische Erkrankung der Gelenke wobei der Kunde die Hoffnung hatte das durch den Sport die Erkrankung eingedämmt würde bzw. trotz der Erkrankung die Teilnahme im Fitnessstudio auch möglich wäre.

Dem war leider nicht so und nach einiger Zeit musste der Kunde sich eingestehen, dass er nicht sportlich weiter auszuüben kann. Daraufhin schrieb er seine fristlose Kündigung des Fitnessstudiovertrages und machte von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch. Das Fitnessstudio lehnte die Kündigung jedoch ab und erhob nach Ausbleiben der Monatsbeiträge Klage vor dem Amtsgericht.

Die Richter stellten sich in diesem besonderen Fall auf die Seite des Studiobetreibers. Erneut wurde hier betont, dass an Sonderkündigungsrecht immer dann besteht, wenn dem Kunden die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses unter Berücksichtigung der Umstände nicht mehr zugemutet werden kann, diesen speziellen Fall aber wollten die Richter das Sonderkündigungsrecht nicht anerkennen. Dem Kunden war seine chronische Erkrankung bereits vor Vertragsabschluss bekannt. Er hätte die Möglichkeit gehabt mit dem Studiobetreiber eine besondere Klausel mit dem Vertrag einbauen lassen zu können. Eine solche Sonderregelung unterliegt der Vertragsfreiheit der Vertragsparteien. Da aber eine solche Regelung fehlte und das gesetzliche Sonderkündigungsrecht nur für Fälle besteht, die für den Kunden unerwartet sind, muss der Kunde nun über 1000 Euro für den ausstehenden Vertrag bis ins zur regulären Kündigungsfrist bezahlt.

Dieses Urteil zeigt, wer sich für den Abschluss eines Vertrages Fitnessstudio entscheidet, sollte sich ganz genau überlegen, ob bereits Erkrankungen vorliegen die eine spätere Ausübung der Sportart unmöglich machen. Ist dies der Fall, sollte der Kunde auf eine Sonderregelung bestehen, oder aber vor Abschluss des Vertrages absehen.

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