Ratgeber Krankmeldung für Arbeitgeber

Husten, Schnupfen oder eine schlimmere Erkrankung machen es für den Arbeitnehmer manchmal unmöglich seine Arbeitsleistung zu erbringen. Nach dem Besuch beim Arzt wird dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch kurz AU oder gelber Schein oder Krankmeldung ausgestellt. In dreifacher Ausfertigung werden neben einem selbst auch der Arbeitgeber als auch die Krankenkasse über die voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit informiert.


Dabei unterscheiden sich insbesondere die Bescheinigungen des Arztes an den Arbeitgeber und der Krankenkasse in einem speziellen Fall. Die Krankenkasse erhält den Attest mit einem Zahlencode, der die Erkrankung aufschlüsselt. Der Arbeitgeber hingegeben wird über Art und Umfang der Erkrankung des Arbeitnehmers nicht informiert.

Krankmeldung für den Arbeitgeber

Krankmeldung Arbeitgeber


Die zur Vorlage an den Arbeitgeber ausgestellte Bescheinigung über die Arbeitsunfähigkeit des Angestellten informiert über:

  • den Status der Krankmeldung als Erstbescheinigung oder ob es sich um eine Folgebescheinigung handelt
  • Ob die Arbeitsunfähigkeit auf einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit beruht
  • Den Zeitpunkt der Krankmeldung, ab wann also der Arbeitnehmer Krank geschrieben ist
  • die voraussichtliche Dauer der Krankmeldung
  • den Zeitpunkt wann die Arbeitsunfähigkeit festgestellt wurde.

Krankmeldung für die Krankenkasse

Krankmeldung für die Krankenkasse


Die Krankenkasse wird vom Arzt neben den Informationen zum Zeitpunkt der Krankmeldung und deren voraussichtlichen Dauer auch über die Krankheit selbst informiert. Hier erfolgt die Weitergabe der Diagnose in Form eines Codes.

Diese Codes bestehen in der Regel aus einem Buchstaben und zwei Zahlen. Manchmal folgt auch noch eine dritte oder vierte Zahl. Sie beschreibt die Krankheit dann noch genauer. Je Buchstabe wird eine Krankheitsgruppe codiert.


Die Zeichenfolge Z73 beschreibt zum Beispiel Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung Akzentuierung von Persönlichkeitszügen Ausgebranntsein [Burn-out] Einschränkung von Aktivitäten durch Behinderung Körperliche

Möchtest du gern wissen welche Diagnose der Arzt gestellt hat, so kannst du den Code bestehend aus Zahlen und Buchstaben auf der ICD Code Suche analysieren.

Muss ich die AU immer an die Krankenkasse schicken?

Jeder Arbeitnehmer ist verpflichtet, die Krankmeldung unverzüglich und ohne schuldhaftes Verzögern an die Krankenkasse zu senden. Es kann Situationen geben, wo der Arbeitnehmer dazu nicht in der Lage ist. Man bedenke aber, durch das Absenden der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an die Kasse sicherst du dir den Anspruch auf Zahlung von Krankengeld, sofern die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber nach sechs Wochen ausgelaufen ist.

Aber auch ohne Blick auf die Leistungen durch die Krankenkasse muss der Attest zu gesendet werden.


Wann muss ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei der Krankenkasse vorlegen?

Die Meldung über eine Arbeitsunfähigkeit muss binnen einer Woche an die Krankenkasse gehen. Das bestimmt § 49 Abs. 1 Nr. 5 SGB V.

Der Paragraph aus dem Sozialgesetzbuch besagt,dass der Anspruch auf Krankengeld ruht, es also keine Leistungen der Krankenkasse nach Ende der Lohnfortzahlung aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz gibt, solange die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht gemeldet wird; dies gilt nicht, wenn die Meldung innerhalb einer Woche nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsdaten im elektronischen Verfahren nach § 295 Absatz 1 Satz 7 erfolgt,

Übersendung der AU an die Krankenkasse

Der gelbe Schein muss die Krankenkasse also binnen einer Woche erreichen. Ansonsten verlieren sie den Anspruch auf Krankengelds bei einer länger andauernden Krankheit. Den fristgerechten Eingang der Krankmeldung wird regelmäßig vor Auszahlung von Krankengeld geprüft. "Das merken die doch nicht" ist eher kein guter Rat. Die Höhe des Krankengelds ist gesetzlich vorgeschrieben: Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, aber nicht mehr als 90 Prozent des Nettoverdienstes (§ 47 SGB V). Vom geringeren dieser beiden Werte werden die Arbeitnehmeranteile zur gesetzlichen Sozialversicherung abgezogen. Der Erkrankte erhält also eh schon weniger Geld als würde er arbeiten, auf die Zahlung dann aber zu verzichten oder sie auch nur später zu erhalten, können sich wohl die wenigsten Arbeitnehmer leisten.


Die Krankmeldung kann per Post an die Krankenkasse gesendet werden. Viele Kassen bieten aber schon den Upload der Krankmeldung online an. Geht die Krankmeldung auf dem Postweg verloren, so haftet der Versender für den Fehler der Post. Ein Einschreiben mit Rückschein könnte helfen, kostet aber einfach nur viel Geld. Besser ist hier ein Einwurfeinschreiben, da der Postbote die Übergabe unterzeichnet.

Kommentare 2

  • Dazu schreibt die Zeit

    Arbeitnehmer, die direkt nach einer Kündigung eine Krankschreibung vorlegen und der Arbeit bis zum Auslaufen der Kündigungsfrist fernbleiben, können nach einem Gerichtsurteil nicht automatisch mit einer Gehaltsfortzahlung rechnen. Kündigt ein Arbeitnehmer und wird am Tag der Kündigung arbeitsunfähig krankgeschrieben, kann dies den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) insbesondere dann erschüttern, wenn die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit passgenau die Dauer der Kündigungsfrist umfasst, wie das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschied. (5 AZR 149/21)

  • Ein interessantes Urteil zum Thema Krankschreiben kommt dazu vom Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Im Falle einer kaufmännischen Angestellten aus Niedersachsen ging es um die Frage, ob der Arbeitgeber die Krankschreiben seiner Angestellten anzweifeln darf.


    Diese hatte ordentlich zum Monatsende ihren Arbeitsvertrag bei einer Zeitarbeitsfirma gekündigt und am selben Tag noch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht.


    Da sich der Arbeitgeber weigerte die gesetzliche Lohnfortzahlung zu leisten, ging der Fall vor Gericht. Sowohl das Arbeitsgericht wie auch das Landesarbeitsgericht Niedersachsen gaben der Arbeitnehmerin recht und verdonnerten die Zeitarbeitsfirma zur Zahlung.


    Nun aber die komplette Kehrtwende. Das Bundesarbeitsgericht hob die vorinstandlichen Entscheidungen auf. Zum einen hatte die Arbeitnehmerin - so die Aussage des Arbeitgebers - einem Kollegen in ihrem damaligen Einsatzbetrieb gesagt haben, dass die nicht mehr zur Arbeit komme. Entscheidend war aber wohl für die Richter die Beweiskraft der Krankschreiben anzuzweifeln, dass diese exakt auf die Restlaufzeit ihrer Kündigungsfrist ausgestellt war.


    Ob für den Folgemonat also mit direktem Anschluss eine neue Beschäftigung angetreten werden sollte ist nicht bekannt. Aus den ersichtlichen Leitsätzen kann man aber erlesen, dass die Arbeitnehmerin nicht in der Lage war, ihre tatsächliche Arbeitsunfähigkeit ausreichend nachzuweisen.


    Das Helferlein