Muss ich Minusstunden rausholen?

  • Ich arbeite im Einzelhandel als 20 Std.kraft. Ich kriege jeden Monat den gleichn Lohn, egal ob mehr oder weniger gearbeitet. Mittlerweile habe ich 20 Minusstunden angesammelt weil ich immer abbstellt oder nach Hause geschickt wurde wenn nichts zu tun ist. Jetzt habe ich heut den Plan für nächste Woche gesehen und man hat mich mit fast 27 Stunden eingetragen.

    Es ist ein großer Laden mit über 30 Angestellten, nur zur Info. Es gab damals Verträge für 20,25 und 30 Stunden. Nicht umsonst habe ich mich für 20 Stunden entschieden. Mehr kann und möchte ich nicht arbeiten. Ich bin stinkesauer weil ich doch auch nichts dafür kann wenn ich nach Hause geschickt wurde. Jetzt ist mehr zu tun und ich soll für die Minusstunden grade stehen? Ich sehe das einfach nicht ein. Die machen doch mit einem was sie wollen.

    Könnt Ihr mir weiterhelfen?

    Bin ich verpflichtet die Stunden aufzuholen?

  • Jetzt ist mehr zu tun und ich soll für die Minusstunden grade stehen? Ich sehe das einfach nicht ein. Die machen doch mit einem was sie wollen.

    Das man ihnen zu viel bezahlt hat, das hat sie nicht gestört.

    Haben sie da auch gemeckert?


    Bin ich verpflichtet die Stunden aufzuholen?

    Was steht in ihrem Arbeitsvertrag?

    Steht dort etwas über Ausschlussfristen?

    Haben sie ein Arbeitszeitkonto?

    Haben sie in der Vergangenheit auf die vereinbarte Stundenzahl bestanden?

  • Grundsatz § 615 BGB

    Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein. Er muss sich jedoch den Wert desjenigen anrechnen lassen, was er infolge des Unterbleibens der Dienstleistung erspart oder durch anderweitige Verwendung seiner Dienste erwirbt oder zu erwerben böswillig unterlässt. Die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend in den Fällen, in denen der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt.

    bedeutet, der Arbeitgeber ist verpflichtet dem Arbeitnehmer für die vereinbarte Arbeitszeit zu beschäftigen.

    Kann oder will er das nicht, und der Arbeitnehmer bietet seine Arbeit an, so muss der Arbeitgeber die nicht geleisteten Stunden dennoch zahlen und der Arbeitnehmer muss diese nicht nachholen.

    Das sagt dieser Paragraf aus.

    In der Praxis ist es aber so, dass Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder Einzelarbeitsverträge etwas anderes regeln, etwa in Form eines Zeitkontos.

    Gibt es eine solche Regelung nicht, tritt automatisch § 615 BGB in Kraft.

    Informieren sie sich, ob bei ihnen eine der drei Vertragsformen bestehen da sie sonst zur Nacharbeit nicht verpflichtet sind un ihnen der Lohn zusteht.

    Das Helferlein

  • 1. Du hast Du ja wohl einen AV über 20 Std unterschrieben oder auch mündlich vereinbart was rechtlich dasselbe ist

    2. Im Einzelhandel ist es üblich das Vereinbarungen über Plus- und Minusstunden zwischen der GL und Betriebsrat festgelegt werden. Dieses ist rechtlich auch nicht zu beanstanden.

    3. Da Dein Std. Kto. im Minus ist und durch die Pauschalierte Auszahlung dieselben schon bezahlt worden sind mußt Du die auch wieder einarbeiten.

  • Zu Punkt drei muss ich nochmal sagen, dass die Aussage so pauschal nicht zutrifft.


    Es kommt darauf an, ob die Minusstunden durch eine Arbeitsbefreiung seitens des Arbeitgebers aufgetreten sind oder ob der Mitarbeiter diese verursacht hat, etwa weil er mal zu spät gekommen ist.


    Gibt es keine Regelung über die Arbeitszeit und der Arbeitgeber schickt den Mitarbeiter nach Hause, etwa weil aktuell keine Arbeit für ihn da ist, müssen diese Stunden bezahlt und brauchen nicht nachgeholt werden.


    Altes 1×1 der Betriebsratstätigkeit

  • helferlein


    das sehe ich anders, da im Einzelhandel in der Regel eine höchste Minus- oder Plusstundenzahl festgelegt ist und in diesem Zeitrahmen der AG den Mitarbeiter einsetzen kann, also bei viel Arbeit mehr und bei weniger Arbeit weniger.

  • Hallo, was in der Regel festgelegt ist muss hier aber nicht greifen.

    Deshalb schrieb ich ja auch, regelt der Arbeitsvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder ein gültiger Tarifvertrag die Frage zum Zeitkonto nicht so gelten die gesetzlichen Bestimmungen.

    Deshalb ist es nur raten, wenn der Beitragsersteller nicht angibt, welche Tätigkeit er ausübt und welcher Tarifvertrag für ihn zuständig ist.

    Und noch eines. Mitarbeiter können nicht wie Freiwild eingesetzt werden, wie es dem Arbeitgeber gefällt.

    Steht im Arbeitsvertrag eine maximale Wochenarbeitszeit über 20 Stunden, so kann der Arbeitgeber nicht zu Ungunsten des Arbeitnehmers davon abweichen, egal wie viele Minusstunden angefallen sind.

    Das Helferlein

  • helferlein

    Dann lese einmal dieses, denn das hat alles nichts mit Deiner Einschätzung zu tun

    Mitarbeitergerechte Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Einzelhandel

    Gert Zülch, Patricia Stock

    Die Arbeitszeitgestaltung erweist sich als hoch komplex, da eine Vielzahl von Zielen und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen (vgl. Abb. 1). Zudem gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen (weltweit werden ca. 10.000 verschiedene praktizierte Arbeitszeitmodelle geschätzt), so dass man generell nicht von dem „idealen“ Arbeitszeitmodell sprechen kann. Vielmehr müssen betriebsspezifische Arbeitszeitmodelle entwickelt werden, welche den unterschiedlichen Bedürfnissen angepasst sind.

    In den letzten Jahren wurden im Einzelhandel vielfach neue Arbeitszeitmodelle mit dem Ziel eingeführt, den Personalbestand flexibel an den vom Kundenaufkommen vorgegebenen Personalbedarf anzupassen.

    Eine adäquate, betriebsspezifische Gestaltung der Arbeitszeitmodelle kann dabei sowohl den betrieblichen Zielen (z.B. kundengerechte Betriebs- und Ansprechzeiten, Erhöhung der Servicequalität, Leistungssteigerung der Mitarbeiter, Verringerung des Absentismus und dessen Folgen) ) diewie auch den mitarbeiterorientierten Zielen (z.B. Berücksichtigung individueller Arbeitszeitpräferenzen zur besseren Einbettung der Arbeit in die soziale Lebenswelt, Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte, Verbesserung der betrieblichen Bedingungen sowie Reduzierung der durch die Arbeit entstehenden Beanspruchungen, Erhöhung der Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiternen und damit einen großen Erfolgsfaktor für Einzelhandelsbetriebe darstellen.

    Quelle und mehr dazu

    Mitarbeitergerechte Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Einzelhandel


    helferlein

    Diese von mir angegebene Arbeitszeiteinteilung wird in der Regel und überwiegend im Einzelhandel durch eine Betriebsvereinbarung praktiziert und ist rechtlich nicht zu beanstanden

    Lese auch dieses dazu

    In allen Untersuchungsbetrieben bildeten die genannten Arbeitszeitmodelle jedoch nur den groben Rahmen für die Arbeitszeiten der Beschäftigten. Denn die Arbeitszeitorganisation,

    d. h. die Erstellung der Wocheneinsatzpläne, findet in den einzelnen Abteilungen statt und wird dort – nach Interviewangaben – maßgeblich durch den tatsächlichen Arbeitsanfall bestimmt. Da dieser sowohl in der Woche als auch im Jahr schwankt, sind zum einen Abweichungen von den festen Arbeitszeitmustern und zum anderen die Abweichung der tatsächlichen von der vertraglichen Wochenarbeitszeit eher die Regel denn die Ausnahme.

    Quelle und mehr

    ttp://iat-info.iatge.de/aktuell/veroeff/2003/gr2003-02.pdf

  • Alles richtig, aber was greift wissen wir erst, wenn sich der Ratsuchende noch mal meldet.


    Zudem kommt es darauf an, ob der Betrieb überhaupt dem Tarif angeschlossen ist.


    Noch eines, Jede Regelung im Arbeitsvertrag setzt Regelungen einer Betriebsvereinbarung außer Kraft, sofern sie zu Gunsten des Arbeitnehmers verfasst sind. Das Günstigkeitsprinzip ist eines der elementaren Grundrechte zwischen der Wirkung einer Betriebsvereinbarung und dem Einzelarbeitsvertrag.


    Aber warten wir ab ob er oder sie sich noch mal meldet.


    Bis dahin, schönes Wochenende


    Das Helferlein

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