Minijob: Arbeit auf Abruf und bei Bedarf

Minijob ist Minijob, da ändert auch der Hinweis des Arbeitgebers nichts dran. Für den Fall der besonderen Beschäftigung nach Bedarf hat der Gesetzgeber durchaus eine nachvollziehbare Regelung geschaffen.

Arbeit auf Abruf (kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit) findet im täglichen Arbeitsalltag überall dort statt, wo Arbeitnehmer je nach Bedarf eingesetzt werden. In § 12 Teilzeit- und Befristungsgesetzt jedoch werden Mindeststandards geregelt, die jeder Arbeitsvertrag zu erfüllen hat, die das Abrufprinzip mehr als zweifelhaft erscheinen lassen.

Mindestarbeitszeit von 10 Stunden

So muss zum Beispiel eine bestimmte wöchentliche und tägliche Arbeitszeit festgelegt werden. Ist dies nicht geschehen gilt eine Mindestarbeitszeit von 10 Stunden als vereinbart. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Minijobber immer dann einen Aufstockungsanspruch auf 10 bezahlte Arbeitsstunden haben, wenn sie weniger als diese Stunden gearbeitet haben und der tatsächlich gearbeiteten Stundenzahl nach bezahlt worden sind.

Anspruch auf Arbeitsleistung

Darüber hinaus gilt, dass der Arbeitgeber die Arbeitsleistung für mindestens 3 Stunden in Anspruch nehmen und bezahlen muss. Bei kürzeren Arbeitseinsätzen besteht daher trotzdem ein Zahlungsanspruch in dieser Höhe.

Anspruch auf Urlaub bei Minijob

Auch zum Urlaub gibt es Regelungen, die per Vertrag nicht zu Ungunsten des Arbeitnehmers geändert werden können. Alle Beschäftigten haben einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.
Der Mindesturlaub bei Minijobbern wird gem. ihrer Wochenarbeitstage anteilig runter gerechnet.
Egal wie man es dreht, jeder hat Anspruch auf Urlaub.
Arbeitet man nur einige Tage in der Woche, so wird der gesetzliche Urlaub reduziert.

Gesetzliche Regelung für Teilzeitbeschäftigte

§ 4 Abs. 1 TzBfG: „Ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer darf wegen der Teilzeitarbeit nicht schlechter behandelt werden als ein vergleichbarer vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer (…)“. Daraus lässt sich der Grundsatz ableiten, dass auch Teilzeitbeschäftigte einen Urlaubsanspruch haben müssen, wenn die Vollzeitbeschäftigten einen haben. Letzteres steht außer Frage, denn § 3 Abs. 1 BUrlG spricht jedem Arbeitnehmer einen jährlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen zu. Dieser Paragraph gilt selbstverständlich auch für Minijobber, denn auch sie sind Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes.

Urlaubsanspruch bei Teilzeit berechnen

Ein Beispiel wie man den gesetzlichen Urlaubsanspruch berechnet
Schwierigkeiten macht in der Praxis auch oft der Fall, dass ein Arbeitnehmer völlig flexibel eingesetzt wird, mit schwankender Anzahl an Arbeitstagen und Arbeitsstunden. In diesem Fall lässt sich die Höhe des Urlaubsanspruchs nicht ohne weiteres an der Anzahl der Arbeitstage festmachen. Daher wird in solchen Fällen ein Durchschnittswert aus den letzten drei Monaten gebildet. Angenommen der Arbeitnehmer hätte folgendermaßen gearbeitet:

  • Monat 1: 12 Arbeitstage
  • Monat 2: 6 Arbeitstage
  • Monat 3: 9 Arbeitstage

So würde sich der Urlaubsanspruch folgendermaßen errechnen:
Durchschnittliche Arbeitstage pro Monat: (12 + 6 + 9 Arbeitstage) : 3 = 9 Arbeitstage
Durchschnittliche Arbeitstage pro Jahr: 9 Arbeitstage x 12 Monate = 108 Arbeitstage
Durchschnittliche Arbeitstage pro Jahr bei 5-Tage-Woche: 261 Arbeitstage
Der Rest ist ein einfacher Dreisatz:

  • 261 Arbeitstage = 20 Tage Urlaub
  • 108 Arbeitstage = x
  • 108 x 20 : 261 = 8,37

Der Arbeitnehmer hat einen Urlaubsanspruch von 8 Tagen (abgerundet) pro Jahr.
Möglich ist auch ein höherer Anspruch auf Urlaub als der gesetzliche, wenn

  • anzuwendende Tarifverträge
  • einzelvertragliche Vereinbarungen mit allen Vollzeitmitarbeitern -> betrieblicher Usus
  • Betriebsvereinbarungen

dies regeln.
Weitere Informationen findest du dazu im zweiten Quelllink.

Entsprechend der Arbeitszeit Dienstags von 13.30 bis 15.30 Uhr sind hier drei Stunden bei der Berechnung der Urlaubstage zu nehmen, weil dies ja wie oben erwähnt, die Mindestarbeitszeit ist.

Kann man dann noch von Beschäftigung nach Bedarf ausgehen? Ein Minijob ist immer eine Beschäftigung nach Bedarf.
Das ändert aber nichts am Anspruch auf Erholungsurlaub!

Quellen:
Der Minijobber als Angestellter – wirklich ein Vorteil für den Arbeitgeber? – Rechtsanwältin Sandra Hippke, LL.M. Taxation
Urlaub auch für Minijobber – Magazin Arbeitsrecht



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