Haftung, Schmerzengeld, Meldepflichten bei Böllerunfall

Eine Frage zu einem zeitlich bestimmt häufiger auftretenden Fall: Verletzung durch Silvesterfeuerwerk.

Person A hat mit Person B – und anderen – Silvester gefeiert – beide sind volljährig.
Person B hatte auch „Polenböller“ gekauft. Nach Mitternacht wurde – nach Alkoholkonsum – Feuerwerk abgefeuert. Auch später noch. An einem Punkt warf Person B einen sog. Polenböller Person A vor die Füße (ca. 1-1,5 m Abstand).

Schmerzen, Taubheit und Pfeiffen im Ohr waren die Folge. Der HNO Arzt bestätigte einen Hörsturz und verordnete Infusionen – die die Kasse natürlich nicht bezahlt. Das ist aber nicht das Wichtigste.

1. Frage: Können die Medikamente von Person A dem Verursacher in Rechnung gestellt werden?
2. Frage: Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um die Rechte von Person A zu schützen`? Im Ohr sitzt ja das Gleichgewicht und beruflich ist das wichtig. Sollte es dauerhaft beeinträchtigt sein, kann es die Berufstätigkeit dauerhaft schädigen. Rezidive können auch später noch auftreten. Zzt. befindet sich Person A noch in der Ausbildung.
3. Welche Institutionen müssen informiert werden – außer Krankenkasse und eigener Unfallversicherung von Person A?
4. Die Eltern von Person B zeigen sich desinteressiert – Kind sei über 18 und selbst verantwortlich. Worauf muss Person A besonders achten?
5. Muss eine Anzeige wegen Körperverletzung gestellt werden?
6. Gibt es Fristen, die einzuhalten sind?


Bisher erstellte Antworten auf diese Rechtsfrage


Die erste Frage die hier bei mir auftaucht ist, darf man diese „illegalen“ Polenböller überhaupt abfeuern?
Dazu denke ich nach lesen der Beiträge im Internet, es ist illegal nicht zugelassene Böller zu zünden.
Siehe auch dazu einmal in die Sprengstoffverordnung
1. SprengV – Einzelnorm
1. SprengV – Einzelnorm

Zudem muss, wer ein Feuerwerk zündet, genügend Sicherheitsabstand zu den umstehenden Zuschauern wahren. Wer diesen Sicherheitsabstand nicht einhält, der verletzt seine Verkehrssicherheitspflicht.
Wie groß der Abstand zum nächsten Menschen beim Abfeuern von Feuerwerkskörper sein muss hängt vom Einzelfall ab, also auch vom Böller selbst.
In einem Fall hat das Oberlandesgericht Nürnberg selbst 10 Meter als für zu wenig angesehen.

Also steht bei diesem Beispiel schon mal im Raum eine Anzeige gegen den Böllerwerfer, die bei der Polizei eingereicht werden sollte.
Dazu kommt dann eine Klage auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Solche Forderungen verjähren nach drei Jahren, sofern sie nicht durch besondere Umstände gehemmt wurden.
Diese Klage läuft über den Zivilweg und muss daher zunächst einmal auf eigene Kosten geführt werden, sofern keine Rechtsschutzversicherung vorliegt.

Die Infusion gegen den Hörsturz muss natürlich die Krankenkasse bezahlen, weil es sich um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt. Sie kann später von dem Verursacher die Kosten zurück fordern. Eine Anzeige sollte auf jeden Fall erfolgen auch wenn für eine Klage auf Schadensersatz und Schmerzensgeld eine strafrechtliche Verurteilung nicht zwingend notwendig ist.

 



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One thought on “Haftung, Schmerzengeld, Meldepflichten bei Böllerunfall

  1. Die Therapie bei einem Hörsturz wurde zum Ende 2012 in den Leitlinien der HNO Ärzte geändert. Grundlage war, dass für den Wirkstoff Pentoxifyllin keine einzige wissenschaftliche Studie dessen Wirksamkeit belegt. Grundsätzlich ist es nämlich ein Wirkstoff der als Behandlungsmittel für Durchblutungsstörungen gilt.

    Dennoch muss kein Patient mit einem Hörsturz auf eine Behandlung verzichten, die von den Krankenkassen übernommen wird. Allerdings wird dabei ein Präparat mit Cortison eingesetzt, dass als Infusionslösung mit dem Wirkstoff
    Hydroxyäthylstärke arbeitet. Bei dem Namen Cortison winken aber viele ab und nehmen lieber die IGeL Leistung in Anspruch

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