Fensteraustausch in Eigentumswohnung

Als Eigentümer einer Wohnung in einem nicht denkmalgeschützten vier-parteien-Gebäude (Baujahr 1985 -90) mit veralteten einfachverglasten Sprossenfenstern, gedenke ich letztere gegen moderne zwei- oder dreifach verglaste Fenster austauschen zu lassen. Laut Teilungserklärung sind die Fenster Sondereigentum der Wohnungseigentümer, dennoch gilt die Vereinbarung, daß das optische Erscheinungsbild des Hauses nur mit mehrheitlicher Zustimmung der Wohnungseigentümer verändert werden darf. Die Zustimmung habe ich – unter der Bedingung (ausdrücklich) Kunststofffenster von gleicher Gestalt und Farbe einzubauen – auf einer Eigentümerversammlung erwirkt (¾ Mehrheit), worauf mich der Architekt des Hauses und Eigentümer einer Wohneinheit im selben Gebäude über die Hausverwaltung aufforderte, den Austausch der Fenster „unbedingt zu unterlassen“. Die Fenster dürften ausschließlich gegen exakt baugleiche Exemplare ausgetauscht werden. Er selbst wolle sich in diesem Fall um die Angelegenheit kümmern, hieß es weiter. Die Wohnanlage sei „hochkarätig“ und jedes Fenster von „großem Wert“, da diese in solcher Form nicht mehr hergestellt würden. Es bestehe auch aus Wärmeschutzgründen „kein Grund zu irgend einer Modernisierung am Haus“… als ich auf seine Argumente nicht einging, ließ er ein Schreiben von seinem Rechtsanwalt über die Hausverwaltung an mich senden, in dem seiner Forderung unter besonderer Berücksichtigung des § 22 I WEG und § 14 Nr. 1 WEG Nachdruck verliehen werden sollte. Er berief sich außerdem auf eine hohe Kostenbelastung aller Eigentümer im Hause (Was ich überhaupt nicht verstehe, da ausdrücklich geklärt wurde, daß es ausschließlich um meine Fenster und somit um meine Kosten gehen soll). Für ein solches Vorhaben müssten „alle Eigentümer“ ihre Zustimmung abgeben.
In welcher Weise kann oder darf der Architekt des Hauses und Eigentümer einer Wohneinheit in so einem Fall unter den genannten Bedingungen überhaupt derart einwirken, und wie hoch stehen die Chancen für mich, mein Vorhaben ohne in Konflikt mit dem Recht zu geraten durchzusetzen? Ließe sich mein Standpunkt auch in Bezug auf die aktuelle EnEV festigen?


Ich habe versucht, die Lage neutral und unkommentiert zu schildern… was mir in meiner Wut nicht leicht fiel! 😉 Der genannte Architekt war ein persönlicher Freund des inzwischen verstorbenen Bauherrn. Die beiden hatten eine „Vision“… und zwar wollten sie auf einer großen brach liegenden Agrarfläche eine Pflasterstraße mit Fachwerkhäusern nach alter Art mit gekreuzten Pferdekopf-Dachgiebeln und allem drum und dran bauen. Viele Teile hier sind Sonderanfertigungen, von Tischlern gefertigt. Ich hatte einen Handwerker hier, der sich als erstes lauthals über die Fenster amüsiert hat. Es handelt sich hierbei um Einfachverglasungen mit vorgesetzten Zierverglasungen (in Sprossen eingekittete Scheiben) und einem damals doch schon modernen Beschlag in einem ungebeizten Holzrahmen. Die Griffe sind von der Firma Weru und waren wohl eigentlich für Kunststofffenster erdacht. …Kurz: Nein, gespart wurde hier nicht! Im Gegenteil, diese Fenster waren womöglich teurer, als es isoverglaste Fenster je sein konnten! …da die Griffe aber nicht dafür geeignet waren, sind sie inzwischen fast alle defekt… und die Beschläge sind für das Gewicht des Holzes auch nicht ausgelegt. Diese Fenster sind also „moderne“ Sonderanfertigungen, die ihren historischen Vorbildern nur insofern ähnlich sind, als daß sie ihre sämtlichen Nachteile in sich vereinen… und die modernen Elemente daran sind alle defekt, weil sie nicht für solche Zwecke konstruiert wurden. Die Dinger sind absolut nicht mehr auf dem Stand der Technik und widerstreben den derzeit vorherrschenden ökologischen Interessen dermaßen, daß sich die Balken biegen. Nach drei Häusern sind die werten Herren auch pleite gegangen und mussten die restlichen Grundstücke verkaufen. Die Pflasterstraße und drei sehr eigenartige aber durchaus hübsche Häuser sind von der „großen Vision“ übrig geblieben. Alle anderen Häuser hier entsprechen weitgehend dem aktuellen Stand.

…es ist also quasi eine ideologische Angelegenheit… wobei nochmal betont sein will; Hier ist nichts denkmalgeschützt. (Warum auch?)
Der Architekt ist in seiner Forderung sehr verbissen. Inzwischen schlug er vor, im Innenraum der Wohnung neue Fenster anzubringen, und die äußeren bestehen zu lassen… was mir Wohnraum und Wohnqualität rauben würde, zumal die derzeitigen Fenster schon nach innen öffnen… alles lächerlich! Gerade als Architekt müsste er das besser wissen. …ein Saurier, der den Meteoriteneinschlag verpasst hat…

Besonders im Winter sind diese Fenster furchtbar, aber auch schon jetzt sammeln sich des Nachts größere Mengen an Feuchtigkeit auf den Scheiben. Mal abgesehen von den dadurch wesentlich erhöhten Heizkosten (über die der Architekt meint, ich könne sie umgehen, in dem ich hier Mieter einsetzen würde), besteht dadurch eine erhöhte Schimmelgefahr, die sich weder durch ausgiebiges Lüften noch durch nervöse Verstellungen der Thermostate senken ließe! Eine Beeinträchtigung der Gesundheit der Bewohner des Hauses ist also auch gegeben.

Eines ist noch wichtig! …der Herr, der mit der Hausverwaltung beauftragt ist, ist ebenso ein enger Freund des Architekten… wie auch sämtliche Handwerker, Putzunternehmen, Gärtnereien usw. die von ihm für dieses Haus empfohlen und hier weitgehend eingesetzt werden.
Ich war der erste, der hier eigene Handwerker eingestellt hat (Was auch wesentlich günstiger war und ist), wobei viele Baumängel entdeckt wurden. Von der falsch herum oder garnicht angebrachten Isolierung, über eine mangelhaft durchdachte Raumaufteilung, bis hin zu stark abweichenden Maßen und alten leeren Bierflaschen anstatt der Isolierung war hier so ziemlich alles dabei. Inzwischen ist im Bereich meiner Wohnung alles bis auf die Fenster behoben. …und der Architekt meinte trotzdem, ich würde den „Charakter des Hauses“ „verschlechtern“, wogegen er mit allen Mitteln agehen würde.

Das ist die ganze Geschichte…
Was wäre in meiner Lage jetzt angebracht? Sollte ich ebenfalls einen Rechtsanwalt konsultieren?

Die genannten Gesetzzeilen habe ich genauso gedeutet, brauchte aber unbedingt ein neutrales Urteil. Zu oft geschieht es, daß im Unrecht liegende Menschen überheblich werden… und ich bin so bescheiden zu behaupten: Ich bin nicht fehlerfrei.



AnwaltOnline | Frag einen Anwalt

Ihre Rechtsfrage einem Anwalt stellen. Sie haben eine Rechtsfrage und möchten diese gern einem Anwalt vorstellen? Wir haben die Lösung für Sie.
In Kooperation mit AnwaltOnline können Sie über dieses Formular Ihre Rechtsfrage direkt an einen Anwalt senden. 

Ihr AnwaltOnline – Anwalt sagt Ihnen vorher, was Ihre Beratung kosten würde. Anders als bei anderen Anbietern können Sie Ihre Frage kostenlos und unverbindlich stellen – es fallen keinerlei Einstellgebühren an. Wenn Sie die Kosten nicht übernehmen wollen, sagen Sie einfach Bescheid. Auch wenn wir nichts mehr von Ihnen hören, kommt kein Auftrag zustande und fallen keine Kosten an. Vielmehr wird die Beauftragung erst wirksam, wenn Sie sich hierfür entscheiden und die veranschlagten Kosten überweisen. Bei AnwaltOnline haben Sie die volle Kostenkontrolle.





Ich habe die AGB und Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.