Urteil zur altersabhängigen Urlaubsstaffelung

Gerade auf der Seite derwesten.de gefunden. Essen. Das Landesarbeitsgericht hat mit seinem Urteil zur altersabhängigen Urlaubsstaffelung für Unruhe gesorgt. Müssen nun alle Regelungen in den Tarifverträgen zum Urlaub gekippt werden? Nein, meinen Tarifexperten. Auf mehr Urlaub dürfen Jüngere nicht hoffen.

Da hatte eine junge Frau geklagt weil sie zwei Tage weniger Urlaub als ihre älteren Kolleginnen hatte und hat erstaunlicherweise sogar gewonnen.
Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig und eine Revision steht an, aber wäre schon Hammer wenn es auch in der zweiten Instanz zu Gunsten der Arbeitnehmerin entscheiden wird.

Anzahl der Urlaubstage im Tarifvertrag

Tarifverträge dürfen die Zahl der Urlaubstage nicht ohne stichhaltige Begründung an das Alter der Arbeitnehmer koppeln. 
Werden jüngere Mitarbeiter aufgrund einer tariflichen Bestimmung für einen bestimmten Zeitraum schlechter gestellt als ihre älteren Kollegen, so verstößt die Regelung nach einer Entscheidung des Arbeitsgerichts (ArbG) Wesel gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und ist unwirksam.

Staffelung des Urlaubsanspruches

Eine 23-jährige Kassiererin fühlte sich durch eine tarifliche Regelung benachteiligt. Der Tarifvertrag sah eine Staffelung des Urlaubsanspruchs – 30 bis 36 Werktage pro Jahr – nach vier Altersgruppen vor, wobei Arbeitnehmer über 30 Jahre bereits die maximalen Urlaubstage erhielten.

Der Arbeitgeber rechtfertigte die Regelung damit, dass Arbeitnehmer im Einzelhandel typischerweise im Alter von 20 Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen hätten und einen „eigenen Hausstand“ gründen würden. Die Urlaubsregelung im Tarifvertrag unterstütze die „Lebens- und Familienplanung“ und sei deshalb keine unzulässige Diskriminierung nach dem AGG.

Die Kassiererin war anderer Auffassung. Die Regelung diskriminiere jüngere Beschäftigte und verstoße deshalb gegen das AGG. Aus diesem Grund stünden ihr 36 Urlaubstage zu, statt der im Tarifvertrag für Arbeitnehmer ihrer Altersgruppe vorgesehenen 34 Tage


Die Klage der Kassiererin hatte Erfolg.
Nach Meinung des Gerichts verstößt die tarifliche Regelung gegen § 3 Abs. 1 AGG. Jüngere Beschäftigte würden im Vergleich zu älteren Kollegen über einen bestimmten Zeitraum ungleich behandelt. Die Altersstaffelung sei willkürlich und daher diskriminierend (Arbeitsgericht Wesel, Urteil vom 11.08.2010, Az.: 6 Ca 736/10).

Quelle:
Arbeitsgericht erklärt Urlaubsstaffelung nach dem Lebensalter für unwirksam



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