Fristlose Kündigung bei Chefbeleidigung im Internet

Wer seinen Chef im Internet (z. B. in einem öffentlichen Forum) beschimpft, ihn „Idiot“ nennt oder die Firma als „Sklavenbetrieb“ hinstellt, darf fristlos gekündigt werden.

Kein Arbeitgeber muss sich üble Nachrede gefallen lassen, urteilten die Frankfurter Richter. Lästert man allerdings in seiner Freizeit über den Chef, ist das Privatsache und rechtfertigt keine Entlassung.
ArbG Frankfurt Az.: 22, Ca 2474/06

Beleidigung des Arbeitgebers vor Gericht. Urteile, Leitsatz und Einzelfallentscheidungen im Ratgeber Recht

Aber wie so oft, ist man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand. Zu jedem Urteil finden sich zahlreiche genau gegensätzliche Entscheidungen anderer Gerichte die mehr Verwirrung statt Klarheit schaffen.

Einzelfallentscheidungen der Gerichte sind immer auf außergewöhnliche Umstände zurück zu führen, denn kaum ein Fall ist hundert prozentig vergleichbar. Wo eben das Arbeitsgericht in Frankfurt klar gegen den Arbeitnehmer geurteilt hat und die Kündigung für wirksam erklärt wurde, hat das Arbeitsgericht Bochum Az: 3 Ca 1283/11 in einer Kündigungsschutzklage eines Auszubildenden statt gegeben.

Beleidigungen auf Facebook

Der Azubi sah sich als Leibeigenen der dämliche Scheiße für Mindestlohn minus 20 % in der Firma erledigen müsse. Zwar haben seine Äußerungen einen beleidigenden Charakter aber die unreife Persönlichkeit und mangelnde Ernsthaftigkeit des Jugendlichen hätten durch eine Abmahnung positiv beeinflusst werden können.

Landesarbeitsgericht hebt Entscheidung auf

Das Landesarbeitsgericht Hamm wurde durch den Arbeitgeber angerufen und kam zu einer überraschenden anders lautenden Urteilsbegründung. Auch die Richter am LAG sahen die Äußerungen des Jugendlichen auf Facebook als Beleidigung an, konnten aber der Entscheidung aus Bochum nicht folgen, nach der eine Besserung im Verhalten des Azubis durch Abmahnung zu erhoffen sei.

Urteile zu Kündigungen bei Beleidigung

Öffentliche Beleidigungen bleiben nicht ohne Konsequenzen

Der Junge Mann könne sich nicht darauf berufen zu erwarten, dass seine Aussagen im Internet als Spaß angesehen werden. Die Einträge seien durch eine große Freundesliste einer Vielzahl an Menschen zugänglich gewesen. Zwar waren die persönlichen Einstellungen auf Facebook so gewählt, dass nur Freunde die Einträge des Auszubildenden hätten sehen können, aber eben auch Freunde der Freunde.

Alter schützt nicht vor Strafe

Auch der Status als Auszubildender wurde dem Jugendlichen nicht mildern anerkannt. Da er zum Zeitpunkt der Kündigung schon 28 Jahre als war, setzten die Richter vom Landesarbeitsgericht Hamm Az.: 3 Sa 644/12 höhere Ansprüche an die Reife des jungen Mannes als jene aus Bochum.



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