• Krank und Arbeitsunfähig: Kein Zwang zum Personalgespräch

      Krank und Arbeitsunfähig: Kein Zwang zum Personalgespräch

      Bei Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers ist dieser kraft Gesetzes von der Erbringung seiner Arbeitspflicht bis zur Dauer der Erkrankung befreit. Kurz gesagt, bist du krank, musst du nicht arbeiten. Das ist der Grundsatz, die Realität sieht anders aus.

      Arbeitnehmer kommen früher aus der voraussichtlichen Arbeitsunfähigkeit wieder an den Arbeitsplatz zurück, was problemlos auch möglich ist, werden krank geschrieben und arbeiten wegen Angst um ihren Arbeitsplatz einfach weiter und nehmen nur die Medikamente zu sich und nicht selten fordern Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auf, während der Krankmeldung im Betrieb zu erscheinen.
      Wo die ersten beiden Gründe noch individualrechtlich zu sehen sind, so gibt es für die Bestellung des Arbeitnehmers seitens des Arbeitgebers klare Regeln.
      Jeder Arbeitnehmer ist nach § 106 Satz 1 GewO zur Teilnahme an Personalgesprächen verpflichtet. Dies ist eine aus der Gewerbeordnung geborene Nebenpflicht des Arbeitnehmers. So wie er zur Erbringung seiner Arbeitsleistung verpflichtet ist, hat er auch andere Regeln einzuhalten, die eben nicht im Arbeitsvertrag explizit genannt sein müssen.
      Aber alle dem Arbeitnehmer auferlegten Pflichten werden durch die vom Arzt attestierte Arbeitsunfähigkeit unterbrochen. Das gilt somit auch für den Fall, wenn der Chef einen zum Personalgespräch während der Erkrankung ruft.

      Es spricht nichts dagegen und ist auch rechtlich unbedenklich, wenn der Arbeitgeber sich nach dem Wohlbefinden seines Arbeitnehmers erkundigt und eventuell bespricht, wie es nach der Genesung weiter geht.
      Ihn aber vorzuladen ist nicht möglich, sofern dies aus betrieblichen Gründen ausnahmsweise unverzichtbar ist und der Gesundheitszustand des Arbeitsnehmers die Reise zulässt.
      Die Unverzichtbarkeit der Maßnahme aber muss vom Arbeitgeber nachgewiesen werden. Er kann sich nicht darauf beruhen zu sagen, der Kollege hat doch nur ein Finger gebrochen, der kann doch mal mit dem Bus vorbei kommen, Fahrkarte zahle ich ihm sogar.

      Ein solcher Fall landete im Jahr 2016 vor dem Bundesarbeitsgericht. Der Arbeitgeber hatte seinen Mitarbeiter drei mal zum Personalgespräch einbestellt. Der Mitarbeiter weigerte sich beharrlich. Darauf gab es eine Abmahnung mit dem Hinweis, dass bei erneuter Weigerung die Kündigung ausgesprochen würde.
      Nach dem Urteil vom BAG Az: 10 AZR 596/12 musste die Abmahnung aber aus der Personalakte entfernt werden.
      Wer nicht zur Erbringung seiner Arbeitsvertraglichen Pflichten verpflichtet ist, der muss auch keine nebenpflichten erbringen.

      Trotz des Urteils ist es immer ratsam bei Krankheit mit seinem Arbeitgeber in Kontakt zu bleiben, sofern einem dies möglich ist und der Chef dies auch möchte.
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